EIN SCHREIBTISCH IN EUROPA – AUF GROSSER REISE MIT RÜPEL ROCCO

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Laura Hurtado Artozon und ihr Mann Malek Hijazi haben gemeinsam mit ihrem Mischlingsrüden Rocco Europa bereist – im Wohnmobil »Olive«. Wie es sich von unterwegs aus arbeitet und ob das Traveln mit Hund besondere Herausforderungen birgt, verrät Laura im Interview.

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Liebe Laura, stell‘ uns Deinen Hund doch einmal vor.

Rocco ist unser »Mischlingsrüpel« – mit viel Herz und ebenso viel Energie. Ich habe ihn während meiner Zeit im Libanon von der Straße geholt. Rocco war damals ungefähr vier Monate alt und ziemlich verwahrlost. Als ich ein Jahr später gemeinsam mit meinem Mann wieder nach Deutschlang zog stand fest: Rocco würde mit uns umziehen!

Nun wird »unser Rüpel« schon elf Jahre alt, von seiner Energie hat er aber bis heute nichts eingebüßt: Jagen ist Roccos große Leidenschaft. Doch es geht auch anders: Rocco ist nämlich Langschläfer und seine zweite große Leidenschaft ist unser morgendliches Kuschelritual im Bett. Als eine dritte ausgeprägte Leidenschaft würde ich seine Vorliebe für »zickige Hundedamen« bezeichnen – die sind sein Beuteschema, die liebt er!

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Ihr habt mit Rocco ja eine große Europareise gemacht. Würdest Du ihn eher als »Frequent Traveller« oder »Digital Normad« bezeichnen?

Ich würde sagen, dass Rocco eine Mischung aus beidem ist – genau wie ich. Während unserer Reise hatte ich das Glück, weiterhin in meinem Beruf als Media Consultant tätig zu sein. Ich habe natürlich nicht täglich gearbeitet, konnte aber hin und wieder unsere kleine Reisekasse mit meiner selbständigen Tätigkeit auffüllen und uns damit ein paar extra Abenteuer finanzieren. Von einem Job haben wir uns beispielsweise eine Rafting-Tour in Slowenien gegönnt.

Wie lange seid Ihr gereist? Und in welche Länder?

Wir waren insgesamt ein Jahr mit unserem Wohnmobil »Olive« auf Tour – vor allem in Süd- und Osteuropa. Wir sind Richtung Osten gestartet und wollten zuerst das neue Wohnmobil richtig kennenlernen. Unseren ersten Stop haben wir deshalb bereits in Dresden gemacht. Nach einem sehr schönen Aufenthalt in der Landeshauptstadt führte uns unsere Reise nach Tschechien, in die Slowakei, nach Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Griechenland, Albanien, Montenegro, Kroatien, Bosnien Herzegowina, Slowenien, Italien, Frankreich, Spanien, Portugal und Marokko.

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Was waren die Highlights Eurer Reise?

Das ist schwer zu sagen, die ganze Reise war ein ziemliches Highlight – von der Planung angefangen. Alle Länder hatten unterschiedliche Höhepunkte: Die Slowakei wundervolle Naturlandschaften, wie das Tatry Gebirge, und wahnsinnig herzliche Menschen. In Rumänien fühlten wir uns wie auf einer Zeitreise durch unterschiedliche Jahrhunderte und Jahrzehnte – auch hier gab es grandiose Landschaften. In Griechenland trafen wir auf unvergessliche Strände, tolle Menschen und wahnsinnig gutes Essen. Besonders interessant war auch Albanien. Die Straßen waren holprig, die Menschen gut gelaunt und immer hilfsbereit, die unberührte Natur und die Strände wahnsinnig schön. Wir hatten keine Ahnung, was uns in Albanien erwarten würde, deshalb hat dieses Land vielleicht von allen Destinationen am meisten überrascht!

Als Höhepunkt möchte ich aber besonders auch die intensive Zeit nennen, die wir miteinander verbringen und erleben durften. Besonders schön waren auch die Besuche von Freunden und unserer Familie: In Frankreich und Marokko hatten wir beispielsweise jeweils Reisebegleitungen – das haben wir sehr genossen.

Welche Highlights glaubst Du hätte der Hund zu berichten?

Rocco ist ein ziemlicher Rüpel und hatte besonderen Spaß am Vertreiben der Straßenhunde. Wir waren in vielen Ländern, in denen große Straßenhundrudel oft an die Wohnmobile gekommen sind. Das fand Rocco nicht sonderlich lustig und machte es sich zur Aufgabe unser Wohnmobil »Olive« vor fremden Hunden zu schützen. Er fand schnell heraus, dass viele Straßenhunde ängstlich und unsicher sind, das hat ihm das Verjagen der Konkurrenz ziemlich einfach gemacht. Aber: Rocco hat nicht nur Hunde vertrieben, sondern auch Freunde unter den Straßenhunden gefunden. Zwei Damen in Marokko hatten es ihm besonders angetan: »Shadow« und »Kaouki« hatten das Privileg auf seinem Platz vor dem Wohnmobil nächtigen zu dürfen und gemeinsame mit Rocco nächtliche Streifzüge zu unternehmen.

Weitere Highlights waren für ihn sicher die erfrischenden Flüsse in Frankreich, die Wüstenwanderung durch die Sahara mit unserer Begleithündin »Sahara« sowie das Wiedersehen von Freunden und der Familie.

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Wie konntest Du von unterwegs aus arbeiten?

Da ich im Online Marketing tätig bin, kann ich alles mobil abwickeln, das habe ich auch schon die letzten vier Jahre aus dem Homeoffice so gemacht. Im Urlaub brauchte ich also auch nur eine Internetverbindung und die konnte ich je nach Position auf Campingplätzen, bei McDonalds oder in Cafes finden. Mein absolutes Arbeitsplatz-Highlight war ein kleiner Kiosk an einem Fluss in Portugal: Es gab einen herrlichen Ausblick, Sonne und gutes Netz. Dort habe ich zwei Tage gearbeitet und nach Feierabend das Bad im Fluss genossen.

Von unterwegs aus zu arbeiten war allerdings nicht immer ganz einfach, denn die Internet-Infrastruktur ist von Land zu Land sehr unterschiedlich. In Griechenland war es überraschender Weise besonders schwierig, da musste ich teilweise kilometerweit fahren, nur um ein Handynetz zu finden. Das hat mich viel Zeit und Nerven gekostet. Zum Glück konnte ich aber alle meine Aufträge fristgerecht und zur vollsten Zufriedenheit meiner Kunden erfüllen. So lies sich mal wieder beweisen, dass ein Schreibtisch in Deutschland keine Grundvoraussetzung für erfolgreiches Arbeiten ist. Es ist ein großes Glück zu reisen und trotzdem seinen Job erledigen zu können.

Es gibt übrigens auch unterschiedliche Varianten um im Wohnmobil Wlan einrichten zu können, allerdings hatte ich das vor der Reise nicht bedacht. Es hat sich eher spontan ergeben, dass ich hin und wieder bei verschiedenen Projekten ausgeholfen habe. Bei der nächsten Reise im Wohnmobil werde ich das aber einplanen und uns autark ausrüsten – allerdings muss ich zugeben: So ohne Internet war es auch schön!

Welche Herausforderungen gab es beim Reisen mit Hund?

Was Rocco betrifft hatten wir an alles gedacht: Futter hatte ich sicherheitshalber für die ersten drei Monate mitgenommen. Außerdem eine Wurmkur, Spot-on gegen Schädlinge, Füßlinge um eventuelle Verletzungen zu verarzten und eine gut gepackte Reiseapotheke. Diesbezüglich hatte ich mit mit meiner Freundin Jana, die ja auch Tierarzthelferin ist, eine sehr gute Beraterin. Die größte Herausforderung waren die Städte, die wir unterwegs besichtigt haben: Brassov und Marrakesch beispielsweise sind für Hunde komplett ungeeignet. Brassov wegen der ganzen Verbote und Marrakesch, weil es so eng und hektisch ist und es kaum Plätze gibt, an denen man seinen Hund ausführen kann: Die schönen Parkanlagen sind für Hunde tabu.

Habt Ihr auch andere Traveller mit Hund kennengelernt?

Ja, das haben wir – einige zumindest. Allerdings muss man sagen, dass sich die meisten Camper mit Hund meist nicht mehr als ein paar hundert Meter von ihrem Wohnmobil entfernt haben. Ich glaube, dass die meisten Leute Angst hatten, das ihren Vierbeinern etwas passiert. Camper sind generell eine ganz eigene Spezies – ob mit oder ohne Hund. Da wir außerdem wenig Zeit auf Campingplätzen verbracht haben, sondern meist wild übernachtet haben, waren wir oft alleine und haben eben eher Straßenhunde als Menschen kennengelernt.

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Einige tolle Begegnungen sind uns aber definitiv in Erinnerung geblieben: Ein Finne mit seiner Terrier-Mischlingsdame »Leika« zum Beispiel oder ein deutsches Paar mit einem Hund namens »Patros«, mit denen  wir in Griechenland zwei wundervolle Abende verbracht haben.

Jetzt seid ihr zurück in Deutschland. Fiel das Heimkommen nach der Reise schwer?

Ehrlich gesagt, sehr schwer. Wir haben uns tatsächlich so an unser Nomadenleben im Camper gewöhnt, dass wir uns kaum noch ein »normales« Leben vorstellen konnten. Auch wenn wir uns schnell wieder im Arbeitsalltag mit fester Bleibe zurechtgefunden haben, fehlt uns das Unterwegssein. Diesem intensiven Gefühl von Freiheit, tatsächlich alles selbst zu bestimmen und nicht durch Arbeit, Gesellschaft oder Handy fremdgesteuert zu sein, bin ich noch nie so nah gewesen wie auf unserer Reise.

Ihr wohnt ja immer noch sehr ungewöhnlich. Warum?

Wir sind ja nach München gezogen und es ist leider nicht einfach dort eine Wohnung (insbesondere mit großem Hund) zu finden, deswegen haben wir uns erstmal drei Monate auf dem Campingplatz eingerichtet. Das Leben im Camper kannten wir ja gut! Zum Glück haben wir aber mittlerweile eine schöne Wohnung gefunden und richten uns gerade wieder häuslich ein. Wir alle vermissen jedoch das Leben im Wohnmobil!

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Wann steht das nächste Abenteuer an?

Wir träumen ein bisschen rum, machen erste Pläne und würden gerne sofort wieder los. Konkret ist zwar noch nichts geplant, aber fest stet: Irgendwann geht es wieder auf große Reise!

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Zum Schluss noch: Welche drei Fragen würdest Du Deinem Hund stellen, wenn er antworten könnte?

Rocco ist Teil unserer Familie und wir kommunizieren täglich miteinander. Es sind also keine Fragen offen!

Ganz lieben Dank für diese tolle Reisegeschichte – am liebsten würde ich auch sofort einen Bulli kaufen, Mini einpacken und losfahren! Wer mit will, kann sich melden unter hello@thewow.de!
© Interview: Sara Buschmann // Photocredits: Laura Hurtado Artozon

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