Interview

BIRGITTA ORNAU BRINGT LEBENSMITTELQUALITÄT IN HUNDENÄPFE

THE WOW | Terra Canis Gründerin Birgitta Ornau mit ihrer Hündin Minou
Birgitta Ornau lebt mit ihrer Hündin Minou in München. Im Jahr 2005 überzeugte sie den Metzgermeister Hermann Schäbitz von der Idee Hundefutter auf Lebensmittelbasis herzustellen: Terra Canis war geboren. Die ersten 1.000 Dosen brachte Ornau damals mit viel Überzeugungskraft persönlich unter die Leute; heute verkauft die Unternehmerin knapp eine Million Dosen im Monat – Tendenz steigend.

Liebe Birgitta, inwiefern waren Deine Hunde an der Terra-Canis-Geschäftsidee beteiligt?

Mein erster Hund Sueno war ausschlaggebend für die Gründung meiner Firma: Er kam aus einer spanischen Tötungsstation und war anfangs extrem krank. Er vertrug kein handelsübliches Futter und konnte nichts bei sich behalten. Ich habe wirklich alles ausprobiert: feucht, trocken, billig, teuer und Futter vom Tierarzt – besser wurde es erst, als ich anfing selbst zu kochen.

Ich las damals alles, was mir zum Thema Hundefutter in die Finger kam: Wie ein Hundemagen funktioniert, wie die Tierfutterindustrie arbeitet und was in der Tierfuttermittelverordnung steht. Schnell kam die Ernüchterung und ich begriff, wie Anspruch und Angebot auseinanderklaffen. Tierfutterproduktion fällt in Deutschland in den Bereich der Abfallwirtschaft, es werden lauter minderwertige Rohstoffe und Abfallprodukte verarbeitet.

Nun wurde mir klar, warum Sueno die selbstgekochten Mahlzeiten wesentlich besser vertrug: Qualität und Zusammensetzung waren, im Vergleich zum marktüblichen Hundefutter, hochwertig und artgerecht. Die Idee zu Terra Canis war geboren: Ich wollte echte Lebensmittelqualität in Dosen bringen – fernab von dem üblicherweise verwendeten »K3-Material«!

Erzähl‘ doch mal von den Anfängen der eigentlichen Gründung: Was lief anders als erwartet?

Natürlich war es zu Beginn nicht einfach. Ich klapperte jede Menge Münchner Metzger auf der Suche nach einem Produktionsbetrieb ab, aber alle verweigerten die Zusammenarbeit mit der Begründung »man dürfe in Deutschland in einem Lebensmittelbetrieb keine Tiernahrung herstellen«. Auch die Banken lehnten einen Kredit zur Firmengründung ab, denn ich galt so kurz nach dem nach dem Studienabschluss als zu unerfahren und meine Idee würde auch niemanden überzeugen, waren sich die Geldgeber sicher. Rückblickend lief aber eigentlich alles trotzdem sehr gut.

Mit dem Müncher Metzgermeister Hermann Schäbitz fand ich einen Betrieb, dem meine Idee gefiel und der sogar bereit war, Geld in eine neue Produktionsanlage für Terra Canis zu investieren. Hermann Schäbitz kümmerte sich außerdem um die Sondergenehmigung zur Tierfutterproduktion in seinem bayerischen Lebensmittelbetrieb. Weil unser Terra-Canis-Futter zu 100 Prozent aus Lebensmittel-Rohstoffen besteht, die alle für den menschlichen Verzehr zugelassen sind, haben wir diese Ausnahmegenehmigung erhalten – ein Durchbruch, der in Deutschland bis heute einzigartig ist und ein Alleinstellungsmerkmal bildet.

metzgermeister

In den ersten vier Jahren hatte Terra Canis zwar außer mir keine weiteren Mitarbeiter und habe wirklich alles alleine gemacht – in einem kleinen Lager die Dosen gepackt und zur Post gebracht, Läden beliefert, die Buchhaltung erledigt und alles gemacht, was jeden Tag so anfiel – da sich aber sehr schnell die ersten Erfolge einstellten, hat es wahnsinnig viel Spaß gemacht!

Wie hat sich das Unternehmen in den letzten Jahren entwickelt?

Mittlerweile ist Terra Canis sehr erfolgreich und wird in allen relevanten Fachgeschäften in Deutschland und Österreich vertrieben. Knapp 12 Jahre nach unserer Gründung wachsen wir immer noch um mehr als 20 Prozent jährlich.

Wie sieht Dein Alltag als Unternehmerin heute aus?

Jeder Tag ist mit sehr viel Arbeit gefüllt und hat mindestens zehn Stunden – oft auch deutlich mehr. Und natürlich muss ich viel reisen, aber meine Arbeit macht mir unglaublich viel Freude. Wir haben ein wirklich tolles Team und aktuell auch fünf vierbeinige Kollegen, die Stimmung in den Alltag bringen: meine Hündin Minou, Schokoschnute, Bounty, Cookie und Frieda.

Was rätst Du jungen Gründern?

Ein verbindliches Erfolgsrezept gibt es leider nicht. Ich habe immer zu einem großen Teil auf meinen Bauch bzw. auf mein Gefühl gehört, aber natürlich ist auch eine entsprechende Ausbildung sehr wichtig: Ohne mein BWL-Studium hätte ich die Gründung und den Unternehmensaufbau sicher so nicht hinbekommen. Wichtig ist auch die Bereitschaft in den ersten Jahren sehr viel zu arbeiten und auf Vieles zu verzichten. Anfangs verdient man meist recht wenig Geld bei einem extrem hohen Arbeitsaufwand – damit muss man klar kommen: »There is no elevator to success. You must take the stairs!«

Welche Rolle spielen Hunde in Deinem Leben?

Hunde sind ein sehr wichtiger Teil meines Lebens. Ich war schon immer in Vierbeiner vernarrt und es war von Kindesbeinen an mein größter Wunsch, einen eigenen Hund zu haben. Als ich mit 19 Jahren von daheim ausgezogen bin, führte mein erster Gang ins Tierheim. Ohne Hunde würde mir ein großer Bestandteil in meinem Leben fehlen und ich wäre vermutlich unzufriedener, weniger glücklich, weniger ausgeglichen und viel weniger in der Natur.

Mir ist wichtig, dass mein Hund ein wirklich schönes und artgerechtes Leben führt: Meine 12-Jährige Hündin Minou ist sehr selten alleine. Sie ist immer entweder mit mir im Büro oder mit ihrem Herrchen zusammen. Als Dobermann braucht Minou sehr viel Auslauf – und den bekommt sie auch. Eine Dogwalkerin, ihr Herrchen und ich sorgen zu dritt dafür, dass sie jeden Tag drei bis vier Stunden draußen in der Natur ist und ausreichend Bewegung bekommt. Im Frühjahr, Sommer und Herbst ist sie beispielsweise ein- bis zweimal wöchentlich in den Bergen beim Wandern. Das ist ihre größte Leidenschaft.

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Kommt Minou auch regelmäßig in den Genuss des Vorkostens und fließt ihr Geschmack in das Sortiment ein?

Alle unsere Bürohunde und auch einige Hunde von Freunden, Bekannten oder Kunden dürfen regelmäßig probieren. Oft sind es Situationen mit dem eigenen Hund, aus denen Ideen für neue Kreationen entstehen, das stimmt. Aber grundsätzlich gilt, immer die Augen offen zu halten, sich für Neues zu interessieren und immer alle Sinne auf Empfang zu schalten. Oft kommen Ideen ganz spontan und manchmal zeichnen sich auch Trends ab, die wir bei Terra Canis aufgreifen.

So gibt es beispielsweise auch regelmäßig saisonale Gerichte wie Wild mit Kürbis, Preiselbeeren und Amaranth zur Winterzeit oder Lamm, Frühkartoffeln, Spargel, Rhabarber und Zuckerschote im Frühling.

Was planst Du unternehmerisch in den nächsten Jahren?

Ich möchte mit Terra Canis weiter wachsen: Im ersten Quartal 2017 bringen wir zwei komplett neue Produktbereiche auf den Markt und haben viele weitere Ergänzungsprodukte in der Pipeline. Besonders freuen wir uns auch auf die Kräuterhelden, unsere neuen Gesundheitskräuter & Bachblüten für Hunde.

kraeuterhelden

Das hört sich spannend und umtriebig an. Wir lassen uns überraschen und verfolgen weiterhin Euren Facebook-Kanal. Dort habe ich übrigens auch gesehen, dass sich Terra Canis aktiv für den Tierschutz einsetzt. Du hast Dein privates Engagement auf diesem Gebiet also auch in die Firma einfließen lassen?

Ja, es fängt eigentlich schon im Kleinen damit an, dass – bis auf eine Ausnahme – alle unsere Bürohunde aus dem europäischen Tierschutz stammen. Wir versuchen als Unternehmen zu helfen, soweit wir können: Wir unterstützen regelmäßig deutsche Tiertafeln, haben Futterpatenschaften für kranke Hunde sowie allgemeine Patenschaften, bei denen wir die Tierschutzhunde finanziell unterstützen, bis sie vermittelt werden können. Wir spenden Futter an Tierschutzorganisationen im Ausland und übernehmen Kosten für Tierärzte und Transporte von Hunden nach Deutschland. Mit unserer wachsenden Community unterstützen wir außerdem die Vermittlung von Hunden aus dem Tierschutz.

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Wo kann man Euch folgen?

Wir posten sehr viel über Terra Canis sowie über Minou und ihre Wanderabenteuer auf unserer Facebook-Seite. Außerdem gibt es auf unserer Website einen Newsbereich, der regelmäßig gepflegt und aktualisiert wird.

Zum Abschluss interessieren uns noch die drei Fragen, die Du Minou gerne stellen würdest, wenn sie Dir antworten könnte?

1. Bist Du glücklich – also grundsätzlich mit Deinem Leben?
2. Gibt es irgendwas, das Dir Schmerzen oder Unwohlsein bereitet, was ich bisher nicht wahrgenommen habe?
3. Wäre es ok für Dich, wenn wir einen zweiten Hund aus dem Tierschutz übernehmen würden…oder würdest Du damit nicht klar kommen?

Vielen Dank, Birgitta, und weiterhin viel Erfolg mit Terra Canis und Euren neuen Ideen! Dieses Interview hat auf jeden Fall dazu beigetragen, dass ich Minis Futter zukünftig auch noch etwas genauer anschaue und das Kleingedruckte intensiver lese.

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© Interview: Sara Buschmann // Photocredits: Terra Canis

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