Interview

ZWEI SCHLAPPOHREN EROBERN DIE HAUPTSTADT

THE WOW Basset Toni aus Berlin
Winnie Viol lebt mit Freund Tammo und Bassetdame Toni in Falkensee bei Berlin. Obwohl Bassets eigentlich das Prädikat »schwer erziehbar« nachgesagt wird, hat Toni es mit ihrem guten Benehmen und ihrer Lernfähigkeit nicht nur zum professionellen Therapiehund, sondern als vierbeinige Darstellerin sogar ins Fernsehen geschafft.

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Liebe Winnie, Toni ist Euer erster Hund. Wie habt Ihr zusammengefunden?

Meine Eltern hatten zwei Bassets, als ich klein war: Jennie und Fridolin. In den 70ern waren diese Hunde Modehunde und komplett überzüchtet. Jennie und Fridolin waren null erzogen, meine Eltern hatten sie gar nicht im Griff. Trotzdem waren sie super lieb. Ich habe mit ihnen aus einem Napf getrunken und es gibt ein Video, auf dem dokumentiert ist, wie ich laufen lerne und mich dabei am Hund festhalte: die Haut deeeeeehnt sich – Geduld pur.

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Als der Wunsch nach einem eigenen Hund immer größer wurde, habe ich über Facebook die Züchterin von Toni kennengelernt. Tonis Mama, die Bassethündin Carmen, war gerade trächtig und ich habe alles immer digital verfolgt. Vier Wochen nach der Geburt waren wir durch Zufall in der Nähe und haben die Welpen in Wolfsburg besuchen dürfen. Ich habe erstmal 15 Minuten geheult, als die Babys um mich rum und auf mich drauf gekrabbelt sind.

Nach diesem Besuch war auch mein Freund Basset-Fan. Das war im Juni 2011. Aus verschiedenen Gründen wollten wir jedoch erst im neuen Jahr einen Hund haben. Tonis Züchterin empfahl uns deshalb eine Züchterin, die im Winter Welpen plante. Einige Monate später bekamen wir jedoch mit, dass Tonis Züchterin leider aus privaten Gründen die Zucht aufgeben und sie Toni, mit der sie eigentlich züchterisch geplant hatte, schweren Herzens abgeben musste. Da war die Kleine sechs Monate alt. Das war dann Schicksal: Am 4. Dezember haben wir unseren ersten eigenen Hund abgeholt und möchten seitdem unsere Toni nicht mehr missen. Zu ihrer Züchterin haben wir übrigens immer noch Kontakt. Ab und zu treffen wir uns auch.

Ihr seid ziemlich aktiv in der Basset-Community. Was macht diese Gemeinschaft aus?

Haha, also irgendwie sind alle Basset-Besitzer Freaks. Das meine ich natürlich liebevoll, aber um mit dieser Hunderasse zu leben, braucht man schon viel Geduld, sehr viel Humor und auch ein dickes Fell. Da muss man schon ein bisschen verrückt sein. Ein Basset schafft es immer, Dich irgendwie zu blamieren: Sei es mit kompletter Sturheit auf dem Hundeplatz à la »Ich hab schon gehört, dass Du mich gerufen hast, ich hab aber grad keine Lust, zu Dir zu kommen.« oder mit gigantischen Sabberfäden in fremden Wohnungen oder auf anderen Hunden.

Ich habe mal irgendwann eine eigene Facebookseite für Bassets in Berlin/Brandenburg gegründet und darüber organisieren wir ab und zu lockere Treffen – Bassets spielen miteinander immer ganz toll und es macht Spaß, sie beim Toben zu beobachten. So erreichen wir auch die jüngere Generation an Basset-Besitzern, was mich natürlich freut.

Mit ihrem eigenen Facebook-Profil hat Toni mittlerweile übrigens Basset-Freunde aus der ganzen Welt. Das ist schon schön, wenn man Bassets in Japan in den Kirschblüten sieht oder in Australien am Strand und man sich mit vielen »Hundeleuten« sowohl digital als auch analog austauschen kann.

Toni ist ja kein Durchschnittsbasset, sondern ein richtiger Filmstar. Erzähl‘ doch mal von ihrer Karriere!

Na ja, Filmstar ist etwas übertrieben. Toni hat in dem wunderschönen Film »Aus der Haut« den Familienhund Bootsmann gespielt und momentan drehen wir ab und zu für den Polizeiruf Berlin/Brandenburg. Toni spielt den Revierhund Speedy und auf der offiziellen Homepage ist sie sogar als Darstellerin aufgeführt.

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Wie schon gesagt waren die Bassets meiner Eltern ja quasi gar nicht erzogen. Man hörte immer, dass diese Rasse nicht erziehbar sei, doch das wollte ich nie so wirklich glauben. Wir waren deswegen bei Tonis Erziehung relativ streng und sehr konsequent. Meine Mama war schwer beeindruckt, als sie das erste Mal sah, wie viele »Befehle« Toni kann – gezielt Pfötchen geben, bei »Moin« links und »Servus« rechts beispielsweise.

Wir haben bei unserem ersten Basset-Treffen die liebe Heidi kennenglernt, die schon ewig Hunde hat und auch mal Bassets gezüchtet hat. Ihre Bassets Momo, die leider mittlerweile verstorben ist, und Isabella, sind richtige Stars. Isabella hat unter anderem eine Hauptrolle in »Anleitung zum Unglücklichsein« gespielt und ist sogar auf dem Kinoplakat zu sehen. Ein sehr süßer Film übrigens. Heidi war auch gleich ein großer Fan von Toni und sehr begeistert von ihrem »Gehorsam«. Seit Isabella in Rente gegangen ist, empfiehlt Heidi ihren Kontakten immer unsere Toni, falls eine Anfrage für einen Basset kommt.

Wie ist das, den eigenen Hund im Fernsehen zu sehen?

Das war schon aufregend, also zumindest beim ersten Mal. Danach wurde es immer normaler, aber wenn man wie beim Polizeiruf auch zur Premiere eingeladen wird und seinen Hund auf der großen Leinwand sieht, das ist schon toll! Da darf Toni dann auch immer mit.

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Wir waren uns zuerst nicht sicher, ob es im Kino eventuell zu laut sei oder der Trouble zuviel für sie wäre, aber während des Films ist sie sogar eingeschlafen und hat hinterher auf der Bühne die Fotografen freudig begrüßt. Trotzdem passen wir immer auf, dass Toni nicht gestresst ist.

Wie sieht denn Tonis Alltag aus, wenn sie nicht vor der Kamera steht?

Wir drehen ja nur ein oder zwei Mal im Jahr, das ist wirklich eine Ausnahme. Ansonsten nehme ich Toni jeden Tag mit zur Arbeit in die Agentur Schröder+Schömbs PR in Berlin-Mitte. Einmal in der Woche mache ich Homeoffice, da liegt sie dann im Garten und genießt das Wetter.

Ansonsten gehen wir noch regelmäßig ins Seniorenheim in Falkensee und bespaßen die Bewohner. Toni und ich haben vor ein paar Jahren eine Ausbildung zum Therapiebegleithund-Team beim Therapieteam Berlin gemacht.

Da wir bei Schröder+Schömbs PR mal zusammen gearbeitet haben, kennen Mini und ich ja den Agenturalltag mit Hund, aber Außenstehende fragen sich sicher: Wird es Toni in der Agentur nicht langweilig?

Hunde schlafen bis zu 18 Stunden am Tag – das kann Toni dann während meiner Arbeitszeit in der Agentur ganz gut machen. Außerdem haben wir mittlerweile drei Hunde in der Agentur und die spielen zwischen durch auch alle zusammen. Dann kommen immer mal wieder Kollegen vorbei, um Toni zu streicheln: Wenn man mal genervt ist oder einen stressigen Tag hat, dann tut das gut und entspannt! Ab und zu dürfen die Hunde dürfen auch Model stehen für Posts auf Instagram oder Facebook.

Beeinflussen Hunde den Arbeitsalltag?

Ich denke schon: Man hat immer ein Gesprächsthema und wenn der Hund gut erzogen ist und keinen Unsinn anstellt, ist das für die Kollegen auch cool. Allerdings wird es manchmal schwierig, wenn der Hund nass ist und – stinkt…

Viele Kunden finden es auch toll, dass wir hier Hunde haben dürfen – über die Hunde kommen Menschen oft ganz anders ins Gespräch.

Wie bist Du auf die Idee gekommen mit Toni ein Therapieteam zu bilden?

Ich habe ja schon immer »irgendwas mit Medien« gemacht und das ist ja oft sehr oberflächlich. Ich wollte als Ausgleich deshalb gerne etwas Soziales machen und habe 2013 Bea vom Therapieteam Berlin kennengelernt. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und so habe ich beschlossen, mit Toni die Ausbildung zu machen. Ich mag alte Menschen und den Gedanken, ihnen etwas Freude im Seniorenheim zu spenden.

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Wie läuft die Ausbildung ab und welche Voraussetzungen muss ein Hund erfüllen?

Der Hund sollte keine Angst vor Menschen haben und davor, angefasst zu werden. Generell sollte man ein gutes Verhältnis zu seinem Hund haben, denn Vertrauen und Teamgeist sind super wichtig. Die Ausbildung ist relativ komplex, macht aber unheimlich Spaß. Ich habe dabei meinen Hund noch mal ganz anders kennengelernt.

Es gibt verschiedene Module, vorausgehend aber natürlich erstmal einen Eignungstest für Hund und Herrchen. Zur Ausbildung gehören viele verschiedene Theorieeinheiten, beispielsweise zum Thema Hygiene, Demenz und Wachkoma oder auch die Körpersprache des Hundes zu erkennen und zu verstehen. Videoanalysen der Kommunikation mit den Bewohnern gehören auch dazu. Wichtig ist, dass der Hund über eine solide Grundausbildung verfügt und falls das noch nicht gegeben ist, wird dies ebenfalls erlernt. Auch die besonderen Begebenheiten in einem Seniorenheim – da gibt es andere Gerüche, Rollstühle, Krücken – muss der Hund kennen und darf sich nicht fürchten. Zum Schluss werden bestimmte Tricks geübt wie das gezielte Berühren der Bewohner mit der Nase und in vielen, vielen Praxisstunden wird alles Gelernte vertieft.

Verdienst Du damit Geld?

Nein, ich mache das ehrenamtlich. Momentan besuchen wir einmal im Monat den ASB Seniorenwohnpark in Falkensee.

Stimmt, Falkensee. Ihr seid ja vor ein paar Jahren auf’s Land gezogen. Dem Hund zuliebe?

Ja, zum großen Teil. Wir haben vorher in Berlin-Friedrichshain gewohnt, im Dunstkreis vom Simon-Dach-Kiez. Und irgendwann hat uns das alles genervt, die ganzen Touristen, die Scherben auf der Straße … Mein Freund und ich sind beide gebürtige Oldenburger und eigentlich Landeier – wir lieben Falkensee. Haus und Garten, der Wald in der Nähe, toll!

Welche drei Fragen würdest Du Toni gerne stellen, wenn sie diese beantworten könnte?

1. Fühlst Du Dich wohl bei uns und falls nicht, was würdest Du gerne
2. Bist Du gerne ein Einzelhund?
3. Warum bist Du manchmal so stur?

Danke, Winnie! Verrätst Du uns noch, wie wir mit Toni in Kontakt bleiben können?

Via FACEBOOK/bassettoni oder INSTAGRAM @tonibasset

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© Interview: Sara Buschmann // Photocredits: Winnie Viol, Finja Nissen, Andreas Grieger

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